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Schwarzwälder Post, Freitag/Samstag, 2./3. Juni 2017 - PFINGSTEN 2017

Die zwei unglaublich starken Wochenenden des Felix Köhler
Sieger bei den Europameisterschaften und den Deutschen Meisterschaften im Duathlon Felix Köhler: »Es fühlt sich auf jeden Fall richtig gut an«

Zell-Unterharmersbach (as). Erst Europameister, dann Deutscher Meister im Duathlon, das ist die Ausbeute von Felix Köhler an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden. Felix Köhler ist Mitglied der LG Brandenkopf. Sein Stammverein ist der TV Unterharmersbach. Alle reinen Leichtathletik-Wettkämpfe geht er unter der Flagge der LG Brandenkopf an den Start. In Sachen Duathlon startet er für den TV Grenzach.
Die DTU (Deutsche Triathlon Union) schreibt auf ihrer Homepage: »Goldenes Wochenende für die DTU-Duathleten in St. Wendel. Bei den Heim-Europameisterschaften über die Duathlon-Mittel-Distanz (10 km Laufen, 60 km Radfahren, 10 km Laufen) setzte sich im Eliterennen der Herren überraschend Felix Köhler (TV Grenzach) gegen die hochkarätige Konkurrenz durch. Der 32-jährige Wahl-Schweizer fing den Dänen Søren Bystrup auf den letzten Laufkilometern noch ab und ließ sich nach 2:58:28 Stunden im Sportzentrum von St. Wendel als neuer Europameister feiern.«
Felix Köhler schildert seine Eindrücke vom EM Rennen am 21. Mai.
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EUROPAMEISTER in St. Wendel
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Seit gestern darf ich mich Europameister im Duathlon nennen. Das muss ich erstmal noch etwas sacken lassen, aber es fühlt sich auf jeden Fall richtig gut an.
Nachdem das Training die letzten Wochen und Monate ohne größere Probleme verlief und auch die Rennen im Vorfeld in die richtige Richtung deuteten, so kamen dann am Rennmorgen doch ein paar Fragen auf, ob es wirklich genug war. Ist die Form gut genug, was wenn sich das Rennen komplett anders entwickelt oder ich einen schlechten Tag erwische? Fragen und Gedanken die unweigerlich aufkommen. Ändern konnte ich ohnehin nichts mehr. Wie auch immer meine Form an dem Tag sein würde, so würde ich mich an die Startlinie stellen und versuchen mein Bestes zu geben. Um kurz nach neun Uhr ging es bei perfekten, äußeren Bedingungen los. Ich hatte mir die Laufstrecke im Vorfeld nicht angesehen, konnte aber von meinen Mitstreitern vernehmen, dass diese doch wieder sehr schwer sein würde. Ich wusste es geht ordentlich bergauf und bergab, grundsätzlich Begebenheiten die ich mag und mir entgegenkommen.
Nach dem Startschuss ging es keine 200 Meter bis sich das Feld als Einerreihe präsentierte, und ich war nicht an erster Position. In den meisten anderen Rennen hätte mich das eventuell etwas verunsichert, doch vorneweg machten Benjamin Choquert aus Frankreich und Moussa Karich aus Bahrain das Tempo. Beide bekannt für ihre enorme Laufstärke. Als Dritter ging ich dann auf die Radstrecke, welche nicht die Schwerste war und eher die Rolleure bevorzugte, aber mit zwei längeren Anstiegen doch auch selektive Abschnitte bot. Ich konnte Pablo Martin direkt nach dem Wechsel abhängen und war ab dann erst einmal alleiniger Verfolger der beiden Spitzenreiter.
Von einem runden Tritt meilenweit entfernt, versuchte ich einen guten Rhythmus zu finden. Zu meiner Überraschung konnte ich die beiden Spitzenreiter bereits nach 10 km ein- und überholen. Zu diesem Punkt war ich das ers­te Mal in Führung. Diese Führung hielt dann bis ziemlich genau der Hälfte der Radstrecke. Von hinten kam Søren Bystrup Jacobsen angeflogen und zog an mir vorbei. Ich versuchte für eine kurze Zeit ihn nicht zu weit wegziehen zu lassen, aber er hatte so einen Zug auf der Kette, dass ich mich mental eher nach hinten orientierte. Zu diesem Punkt rechnete ich damit, mit drei bis vier Minuten Rückstand auf die Laufstrecke zu gehen, so stark kam mir Søren in dem Moment vor. Zu meiner Überraschung wurden meine Radbeine auf der letzten Runde nochmals etwas besser und ich konnte das Tempo recht hochhalten.
Als ich in den zweiten Wechsel kam, bekam ich meinen Rückstand auf Søren vom Stadionsprecher genannt: Eine Minute, fünf Sekunden. Not bad, aber wahrscheinlich zu viel um noch auf Rang eins zu laufen. Der Vorsprung nach hinten betrug auch ca. eine Minute, also hier noch nichts sicher. Es brauchte einen sehr guten zweiten Lauf, um es überhaupt aufs Podium zu schaffen. Eingangs der letzten Laufrunde hieß es dann vom Sprecher, dass ich nur zwei Sekunden auf Søren aufgeholt hatte und er ging mit 44 Sekunden Vorsprung auf die letzten fünf Kilometer. Zu viel um es noch aufzuholen, so dachte ich. Ich wurde aber nicht langsamer und am ersten langen Anstieg konnte ich sehen, dass ich mit einem Mal enorm Boden gut gemacht hatte. Jetzt oder nie.

Wie oft bekommt man die Chance Europameister im eigenen Land zu werden?

Ich versuchte nochmals ein paar Kohlen draufzulegen und mit knapp 1,5 Kilometer bis zum Ziel lief ich auf Søren auf. Er versuchte nochmal das Tempo anzuziehen, aber ich hatte das Momentum auf meiner Seite. Mit ein paar schnellen Schritten gelang es mir eine Lücke zu reißen. Diese Lücke vermochte ich bis ins Ziel noch zu einem sicheren Vorsprung auszubauen und als Europameister ins Ziel zu kommen. Wahnsinn. Danke Søren für das geile Rennen. Rennen so zu gestalten, offensiv, von vorne, machen am meisten Spaß und verdienen den größten Respekt.
Ich bin mich dann mal erholen und hoffe kommende Woche bei der deutschen Meisterschaft in Ulm wieder halbwegs einsatzbereit zu sein.

Sonntag, 28. Mai, eine Woche später schreibt die DTU auf ihrer Homepage:

Eine Woche nach seinem Überraschungs-Coup bei den Duathlon-Europameisterschaften in St. Wendel hat Felix Köhler (TV Grenzach) die nationalen Titelkämpfe über die Duathlon-Lang-Distanz in Ulm gewonnen. Im Eliterennen der Herren lieferte er sich ein fast vierstündiges Duell mit Matthias Knossalla (Trivolution Action Crew) feierte in der Hitzeschlacht an der Donau am Ende aber einen souveränen Start-Ziel-Sieg.
Zwei starke Laufleistungen waren Köhlers Garant für den zweiten Titel binnen einer Woche. In 32:15 Minuten bewältigte er die zehn Auftaktkilometer zu schnell für alle Konkurrenten. Mehr als zweieinhalb Minuten büßte Knossalla hier schon auf den späteren Sieger ein. Doch der Herausforderer wollte Köhler den Titel nicht kampflos überlassen. Bis auf eine Minute rückte Knossalla mit der Tagesbestzeit über die 80 Radkilometer (1:56:58 Stunden) an den Führenden heran. Selbst das brachte den Champion von St. Wendel aber nicht aus der Ruhe. Denn auch über die 20 Kilometer im dritten Teil des Rennens lieferte er in 1:14:41 Stunden den besten Split der Konkurrenz ab. Im Ziel hatte Köhler nach exakt 3:48 Stunden knapp drei Minuten Zeit zum Verschnaufen, ehe er die Glückwünsche von Knossalla (3:50:56 Stunden) entgegen nahm. Elite-Bronze ging an Michael Wetzel (TSV Dettingen/Erms).
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Felix Köhler schildert seine Eindrücke vom DM-Rennen am 28. Mai
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Eine Woche nach der EM stand gestern bereits der nächste wichtige Wettkampf an. Beim Powerman in Ulm, bei welchem gleichzeitig die deutschen Meisterschaften der Langdistanz ausgetragen wurden, wollte ich meinen ers­ten deutschen Meistertitel erringen. Die Woche nach der EM verbrachte ich hauptsächlich mit regenerativem Training in der Hoffnung, die Beine bis zum gestrigen Sonntag wieder auf Vordermann zu bekommen.
Die Wetterbedingungen versprachen ein heißes Rennen. Schon beim Start am Morgen um 9.30 Uhr war ich auf dem ersten Lauf froh um etwas Kühlung durch die Wasserstellen. Schon kurz nach dem Start gelang es mir mit Fabian Zehnder eine Lücke zu den ersten Verfolgern zu reißen. Es gelang mir sogar noch eine größere Lücke zu Fabian herauszulaufen, so dass ich mit recht komfortablem Vorsprung auf das Rad wechseln konnte.
Hier dauerte es ein wenig bis ich einen Rhythmus gefunden hatte. Währenddessen hatte ich eigentlich damit gerechnet, dass die Gruppe mit den starken Radfahrern zu mir aufschließen würde. Dies geschah nicht und ich konnte auf der zweiten Radrunde noch einmal etwas an Tempo zulegen, so dass ich mit noch immer komfortablem Vorsprung auf den zweiten Lauf wechselte. Der zweite Lauf entwickelte sich im Anschluss zu einer Hitzeschlacht. Das anfangs angegangene Tempo musste ich schnell ad acta legen und da sich die Müdigkeit der letzten Woche dann doch langsam bemerkbar machte, wollte ich zumindest versuchen, so lange wie möglich vorne zu bleiben. Doch ich war nicht der Einzige dem es so erging. So gut wie jeder musste den hohen Temperaturen Tribut zollen und irgendwie gelang es mir dann immer noch den schnellsten zweiten Lauf zu absolvieren. Am Ende konnte ich mit knapp drei Minuten Vorsprung als Erster über die Ziellinie laufen und meinen ersten deutschen Meistertitel erringen.


Foto-Finish mit Deutschland-Flagge in St. Wendel: Eine Woche nach dem Gewinn des Europameistertitels holte sich Ausdauersportler Felix Köhler in St. Wendel auch den nationalen Meistertitel.


10 Kilometer Laufen, 60 Kilometer Radfahren und nochmals 10 Kilometer Laufen sind die Distanz im Mittel-Distanz-Duathlon.


Nach dem Sieg gab es nur strahlende Gesichter. Felix Köhler zusammen mit seiner Freundin und Schwester Miriam Köhler.
                                                                                                               Fotos: privat


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